Archiv für den Monat: November 2009

Wir sparen uns zu Tode!

Sparen ist zur Zeit mal wieder in aller Munde. „Wir müssen sparen …“ Dabei wird dann in aller Regel eine Mine irgendwo zwischen Betroffenheit, Mitleid und Wissen aufgelegt. Tja, das Geld sitzt halt nicht mehr so locker … Sagen Sie, gehören auch Sie zu den Menschen, die dieses Gejammere nicht mehr ertragen können und sich fragen, was dieses Getue überhaupt noch soll?

Natürlich muss man sparen, nur ist die Frage wofür und in welchem Umfang. Die meisten Menschen haben eine völlig falsche Vorstellung vom Sparen. Rein volkswirtschaftlich bedeutet Sparen einfach nur den Umstand, dass man nur investieren kann, wenn man vorher etwas auf die Seite gelegt hat. Beispiel: Wenn ich einen Apfelbaum pflanzen will, muss ich von der vorherigen Ernte einige Äpfel zurückgelegt haben. Soviel ist klar. Nur wofür sparen die Menschen hauptsächlich in Deutschland? „Für die schlechten Zeiten!“

Irgendwo habe ich mal den Satz gelesen: „Wer für schlechte Zeiten spart, wird Sie erhalten!“ Ich finde, da ist was Wahres dran. Wird Geld im Übermaß zurückgehalten, also nicht mehr ausreichend konsumiert und investiert, kommt es zu schwerwiegenden wirtschaftlichen Einbrüchen, insbesondere Unternehmenszusammenbrüchen und Arbeitslosigkeit, was die Seuche „Sparen“ noch weiter verstärkt. Was wir in Deutschland zur Zeit erleben, das ist sozusagen die Manifestierung einer sich selbst erfüllenden und verstärkenden Prophezeiung, dem sogenannten Thomasschen Theorem. Es ist im Grunde das alte Problem: die Deutschen lieben es halt, wie die Lemminge in ihre selbst gestellten Fallen zu rennen.

Ich selbst spare nur für „gute Zeiten“. Wie, „gute Zeiten“, wo gibt’s denn so was? Nun, das kann es durchaus geben, dann nämlich, wenn man es mit dem Sparen nicht übertreibt und nach einem Sparplan arbeitet. Also z.B. erstmal für den langfristigen Aufbau einer persönlichen Altersvorsorge („Die Rente ist nicht sicher, nicht mal die Pension!“) wozu relativ kleine Beträge ausreichen. Zum anderen für größere Anschaffungen wie z.B. den fahrbaren Untersatz. Alles was darüber hinausgeht, kann man frohen Mutes ausgeben, dann kommen erst gar keine „schlechten Zeiten“ auf, weder in individueller Hinsicht noch auf ein Kollektiv bezogen. Geld muss fließen, stockt der Geldstrom, kommt auch alles andere zum Stillstand.

Noch ein Beispiel zur Verdeutlichung:
Angenommen, ein Mann von 180 cm Größe wiegt 90 kg. Dann würde die Medizin sagen, der Kerl ist zu schwer, da müssen 10-15 kg runter. Und angenommen, der Mann hört auf den Rat seines Arztes und speckt brav 15 kg ab, dann wiegt er nach Adam Riese jetzt 75 kg und hat damit sein Idealgewicht erreicht, sein Schrumpfen war ein Gesundschrumpfen zu seinem Vorteil. Nehmen wir jetzt an, der Mann hat einen solchen Gefallen an seiner Askese gefunden, dass er sich sagt: „Ich muß runter auf 60 kg“, er erhebt den Verzicht zum Fetisch, dann können wir uns leicht ausmalen, daß er bald umkippt und wieder zum Arzt muss, der ihm jetzt zum Gegenteil rät, ansonsten der Mann stirbt. Er hat also jetzt ein noch größeres Problem als vorher. Der Geiz war also offenbar nicht geil.

Und so wie bei unserem Mann im Beispiel, sieht es auch anderswo aus. Ich habe noch kein Unternehmen gesehen, das allein durch Schrumpfen wieder auf die Beine gekommen wäre. Die Ursachen für die Probleme liegen meist ganz woanders, meistens im Verkauf und allgemein schlechtem Management. Das läßt sich auch auf ganze Staaten übertragen. Der Hebel muß also ganz woanders angesetzt werden, womit ich der Verschwendung natürlich nicht das Wort reden will. Jede Einschränkung will also genau bewogen werden. Sparen darf nie zu Lasten des Service gehen, was jedoch nur allzu häufig der Fall ist.

Sehen Sie sich mal an, wie die meisten Unternehmen bei Verkauf und Service gespart haben, frei nach dem Motto: „Kunde blöd, Kunde merkt nix“. Service wird zunehmend zum inhaltslosen Begriff, einen qualifizierten Verkäufer trifft man meist nur noch selten an, der Bettelstudent oder der polnische Spargelstecher ist halt billiger. Und da wundern sich die „Sparfüchse“ auch noch, wenn sie immer weniger verkaufen.

Kurzum: Jeder kann einen einfachen Beitrag zur Lösung der Probleme leisten – Raus aus dem Schneckenhaus und die Sparstrümpfe geplündert, so dass endlich wieder Freude aufkommt. Ohne motivierende Stimmung läuft nämlich gar nichts!

„Zu fairen Preisen“

Ich erlebe immer wieder, wie KMU (Kleine, mittlelständische Unternehmen) mit dem Slogan „Zu fairen Preisen“ oder ähnlichem werben. Davor kann ich, erst recht im Internet, nur warnen. Vor allem dann, wenn man mit den großen Multis konkurriert, mit deren Preisen man in den wenigsten Fällen mithalten kann. Gegen die kann man nur mit besonderem Service bestehen. Dann müssen die Preise zwar nicht „unfair“ sein, jedoch nun mal höher.

„Zu fairen Preisen“, ist geradezu eine Einladung zum Feilschen und Schachern, dem Volkssport Nummer 1, der unserer Gesellschaft (nicht nur
Wirtschaft) nach wie vor arg zusetzt und zu zersprengen droht. „Zu fairen Preisen“ ist nur eine Umschreibung für „billig“ und wird entsprechendes Publikum magisch anziehen. Dann hat man den Salat. In den meisten Fällen ist es wohl besser, Preise ganz nüchtern anzugeben und stattdessen die Produktvorteile und den Service herauszustellen, falls man einen Solchen bieten kann. Viele innovative Mittelständler gehen bereits diesen Weg und zwar mit Erfolg. Andere, die es nicht getan haben sind bereits aus dem Markt ausgeschieden oder werden schon bald ausgeschieden sein!